Der „Fear & Greed Index“ – mit Emotionen Geld verdienen

Furcht und Gier sind treibende Kräfte für Aktienkurse. CNN Money hat mit dem „Fear & Greed Index“ einen Indikator entwickelt, der das Ausmaß der jeweiligen Emotion im Markt messen soll - und damit zeigen soll, ob Aktien gerade billig oder teuer sind. Doch wie gut funktioniert er wirklich? Kurzum: Ziemlich gut. 

gier
Quelle: freepik.com

Die Tatsache, dass Anlageentscheidungen an der Börse nicht immer rational getroffen werden, dürfte keinen Leser dieses Blogs sonderlich schockieren. Etliche Ratgeber, Merksätze und Zitate beschäftigen sich mit dem Thema. Ein Beispiel gefällig? Hier eines der berühmtesten Zitate der Investmentlegende Warren Buffett: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Einfacher gesagt als getan, denn wie erkennt man, ob die Märkte gerade von Gier oder Furcht beherrscht werden? Hier kommt der „Fear & Greed“-Index von CNN Money ins Spiel. Ob und wie dieser funktioniert und welche Bedeutung er für Anlageentscheidungen spielen kann, erklärt der folgende Beitrag.

Der Fear & Greed Index verspricht, zwei der treibenden Kräfte an den Finanzmärkten der Welt – Furcht und Gier – zu messen und auf einer Skala von 0, (extreme Furcht) bis 100 (extreme Gier) darzustellen. Das Furcht-Gier-Level gibt es dann nicht nur tagesaktuell, sondern auch auf Wochen-, Monats- und Jahressicht auf der Homepage von CNN Money abzurufen.

Bei der Berechnung des Index setzen die Redakteure auf die Kombination von sieben gleichgewichteten Indikatoren:

  • Aktienmarkt-Momentum: Der aktuelle Stand des S&P 500 Index wird mit seinem gleitenden 125-Tage-Durchschnitt verglichen. Ist die Diskrepanz nach oben oder unten größer als normalerweise, dann ergibt sich daraus ein entsprechendes Level an Gier respektive Angst.
  • Aktienmarkt-Stärke: Die Anzahl der Aktien mit 52-Wochen-Hochs an der New Yorker Börse werden den -Tiefs gegenübergestellt. Überwiegen die Hochs spricht das für Gier an den Märkten.
  • Aktienmarkt-Breite: Dieser Indikator soll klären, ob ein Trend von vielen oder nur wenigen Aktien eines Marktes getragen wird. Ein Bullenmarkt kann sich zum Beispiel seinem Ende nähern, wenn lediglich die Schwergewichte unter den Aktien steigen und so einen Index nach oben ziehen, während das Gros der Aktien bereits fällt. Um die Breite des Aktienmarktes festzustellen, wird der McClellan-Summation-Index herangezogen.
  • Put- und Call-Ratio: Dieser Indikator wird bestimmt, indem das Volumen der Put- und Call Optionen an der Chicagoer Terminbörse (CBOE) verglichen werden. Überwiegen die Put-Optionen, sehen die Anleger die Zukunft schwarz.
  • Marktvolatilität: Um die Volatilität der Märkte zu bestimmen, wird der VIX, der Volatilitätsindex der CBOE herangezogen. Der Index misst die vom Markt erwartete Schwankungsintensität anhand von Optionspreisen auf den S&P 500. Der VIX ist auch als Angstindex bekannt. Je ängstlicher die Investoren, umso höher ist die erwartete Volatilität.
  • Hochzinsanleihen-Nachfrage: Dieser Indikator wird bestimmt, indem der Spread (Risikoaufschlag) zwischen Hochzinsanleihen (Junk Bonds) und Investment-Grade-Anleihen verglichen wird. Ist der Risikoaufschlag auffällig niedrig, dann deutet das darauf hin, dass die Investoren bereit sind, höheres Risiko einzugehen. Die Mehrrendite, die riskante Bonds eigentlich abwerfen, schrumpft aufgrund der starken Nachfrage – ein Indiz für extreme Gier im Markt.
  • „Safe Haven“-Nachfrage: Die kurzfristige Performance von Aktien und Anleihen wird miteinander vergleichen. Schneiden Aktien auf 20-Tage-Sicht überdurchschnittlich gut im Vergleich zu Anleihen ab, dann deutet dies daraufhin, dass Investoren ihre Gelder aus Anleihen abziehen und stattdessen auf Aktien setzen.

Unterm Strich versucht der Fear & Greed-Index eine Aussage darüber zu treffen, ob Aktien gerade eher fair-, über- oder unterbewertet sind. Vergleicht man S&P 500 und Fear & Greed Index miteinander, gelang dies in den letzten Jahren relativ gut. Hätte man etwa um den Jahreswechsel 2019 auf den Index vertraut, als dieser deutlich auf Furcht stand und dementsprechend in den S&P 500 investiert, hätte man in Folge satte Gewinne einfahren können. Charts lesen sich post-hoc aber bekanntlich deutlich klarer, als sie im jeweiligen Moment erscheinen. Ein hoher Index-Stand ist somit ebenso wenig ein klares Verkaufssignal, wie ein niedriger Wert bedeutet, dass man sein Geld blind in den Markt pumpen sollte.

Christian Jagd ( Portfoliomatrix ) verwaltet unter anderem das erfolgreiche wikifolio Intelligent Matrix Trend . Nützt er den Fear & Greed Index für seine Geldanlage? „Meine Investmententscheidungen beruhen auf einer Vielzahl von Faktoren und Indikatoren und sind in ihrer Konsequenz immer Entscheidungen, die für ein Anlageinstrument zu einem speziellen Zeitpunkt gelten. So kann ich bei zwei Instrumenten derselben Gattung, beispielsweise zwei unterschiedlichen Aktien, zu gegensätzlichen Entscheidungen kommen, sprich Kauf der einen Aktie und Verkauf der anderen. Der Fear & Greed-Index indes rät mir zu einem Ausstieg oder Einstieg in den Aktienmarkt allgemein. Diese Herangehensweise kann maximal als kurze Orientierung dienen und ist eine recht grobe Klinge. Für meinen Investmentansatz aber bevorzuge ich eher das Skalpell.“

Chart

Kennzahlen

  • +368,6 %
    seit 25.03.2014
  • +15,2 %
    1 Jahr
  • 0,78×
    Risiko-Faktor
  • EUR 1.726.760,43
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: 31,2 %

Außerdem weist Jagd auf einen wichtigen Punkt hin: „An den Börsen können Phasen der Übertreibung nach oben wie nach unten außerdem oftmals über eine längere Zeit anhalten. Die Märkte können anschließend in Seitwärtsphasen übergehen, noch bevor sich ein neuer Trend ausbildet. Indikatoren wie der Fear & Greed-Index haben hier eine Schwäche, da sie einen meistens zu früh aus dem Markt weisen und meist auch zu früh wieder hinein.“ Das Fazit für Jagd: „Als zusätzliche Informationsquelle kann man den Indikator natürlich heranziehen, bei der Beurteilung seiner Aussagekraft wäre ich jedoch vorsichtig und meine Investmententscheidungen würde ich darauf nicht stützen.“

„Nachkaufen bei 18“

Christian Thiel ( sparstrumpf ) traut dem Index mehr zu, wie er im Gespräch verrät: „Für eine allgemeine Markteinschätzung ist der Fear & Greed Index unablässig.“ Gerade für Anleger, die ihren Aktienbestand aufstocken wollen, bietet sich der Index als Entscheidungshilfe an. Thiel erklärt: „Wenn er im Bereich von extremem Pessimismus angekommen ist, sind Aktien billig.“ Genauer: Bei einem Indexstand von 18 oder auch 20 nachzukaufen, zahlt sich aus. Der wikifolio-Trader und Investor warnt aber auch: „Während sich für Anleger im unteren Bereich des Fear & Greed Index gute Einstiegsgelegenheiten offenbaren, bringt er oben nichts.“ Aktien zu verkaufen, weil der Index auf extreme Gier im Markt hinweist, ist laut Thiel nicht ratsam. Zumal Gier eine Emotion ist, die an der Börse lange anhalten kann. Im wikifolio Global Champions lässt Thiel sich aber ohnehin nicht auf das Spiel mit Gier oder Angst ein. In seine persönlichen Top-Aktien ist er langfristig und in der Regel auch voll investiert. 

Chart

Kennzahlen

  • +76,3 %
    seit 13.01.2016
  • +17,2 %
    1 Jahr
  • 0,80×
    Risiko-Faktor
  • EUR 3.863.681,79
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: 18,4 %

Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf www.wikifolio.com, www.ls-tc.de und www.ls-d.ch hingewiesen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden. Der Inhalt dieser Seite stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.