„Ölkonzerne sind aktuell stark unterbewertet“

Der heutige Donnerstag wird für die Ölindustrie historisch. Erstmals seit dem Scheitern der erweiterten Gruppe der Ölproduzenten um die Opec und Russland (Opec+) im März, verhandeln die erdölexportierenden Nationen über die Wiederaufnahme von freiwilligen Förderdrosselungen.

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Quelle: freepik.com

Neben den Opec+ Staaten sitzen auch Länder wie die USA, Kanada und Norwegen mit am – in Zeiten von Corona selbstverständlich virtuellen – Verhandlungstisch. Die Aussichten für eine gesamte Branche und natürlich auch für die Förderstaaten selbst hängen von einer Einigung ab: Denn Öl ist für den Geschmack der Produzenten weiterhin viel zu billig. Die Sorte Brent kostet aktuell 33 US-Dollar pro Fass – nur halb so viel wie vor drei Monaten. WTI ist mit 26 Dollar sogar noch günstiger. Neben einem Corona-bedingten Nachfragerückgang sorgte vor allem das russische Nein zu weiteren Förderkürzungen und die darauf folgende saudische Trotzreaktion, das Schwemmen des Marktes mit Öl, für den Preisverfall des schwarzen Goldes. Die USA, deren Fracking-Anlagen auf einen hohen Ölpreis angewiesen sind, trugen ihren Teil zu Eskalation bei und drohten in gewohnter Manier mit Strafzöllen. Eine Einigung wird darum nur zu erzielen sein, wenn sich die drei Nationen zusammenraufen.

Konsens ist alternativlos

wikifolio-Trader Axel Albietz ( TraderOnkel ) hat diesbezüglich natürlich keine Glaskugel: „Ob sich die Opec und Russland kurzfristig einigen werden, kann ich nicht sagen, aber mittel- bis langfristig werden sie wohl einen Konsens finden müssen.“ Ein Ölpreis, der dauerhaft unter 30 Dollar notiert, könne kaum im Interesse der größten Produzenten sein. Für den Trader ist fraglich, ob sich die USA und Präsident Donald Trump großartig einmischen werden können, schließlich hätten ein Großteil der US-Ölproduzenten die mit Abstand höchsten Förderkosten weltweit. Albietz glaubt aber dennoch nicht an Trumps Zurückhaltung: „Ich denke, er wird das Thema immer wieder durch seinen Kommentar in den öffentlichen Fokus rücken wollen, um den Druck zu erhöhen. Ob dieses Vorgehen kurzfristig zielführend ist, darf man allerdings bezweifeln.“

Auch wikifolio-Trader Benedikt Scheungraber ( bscheungraber ) lässt sich nicht zu Spekulationen hinreißen: „Kurz- bis mittelfristig ist der politische Faktor für mich nicht kalkulierbar. Langfristig gesehen denke ich aber, dass sich die Parteien einigen werden, da sie einen stabilen Ölpreis für ihren Staatshaushalt benötigen.“ Trader-Kollege Andreas Kläger ( Zahlenfreak ) ergänzt: „Längerfristig wird es eine Einigung brauchen. Kurzfristig dürfte die nur zustande kommen, wenn auch die USA mitmachen. Da bin ich eher skeptisch.“

Big Player oder ETF?

Gefragt nach Investmentchancen, werden die Trader konkreter. „Ölkonzerne sind meiner Meinung nach aktuell stark unterbewertet. Auch die niedrigen Ölpreise von 2016 haben Unternehmen wie Shell sehr gut weggesteckt. Sie haben damals sogar zu einer höheren Effizienz der Unternehmen geführt und die Gewinne sind in den folgenden Jahren auf ein höheres Niveau als vor 2016 gestiegen. Auch die sehr hohen Dividendenrenditen machen Ölkonzerne zu attraktiven Investments“, erklärt Scheungraber, der in seinem wikifolio Basics aktuell zum Beispiel auf die Aktie des erwähnten britisch-niederländischen Konzerns Royal Dutch Shell setzt. Die Dividendenrendite liegt hier bei fast zehn Prozent, die Aktie wurde angesichts der Krise aber auch in den Boden geprügelt. Der Verlust beläuft sich auf Jahressicht auf 40 Prozent.

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Kläger teilt Scheungrabers Einschätzung: „Auf dem aktuellen Niveau sind vor allem Big Player sicher interessant, allein schon wegen den Dividenden. Wer mit einem langen Zeithorizont plant, kann jetzt mit Teilpositionen einsteigen. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass die Jahrestiefs nochmals angelaufen werden. Wer dann noch Cash hat, kann die Positionen aufstocken.“ In seinem noch jungen wikifolio AK-TRADING1 MIT HEBEL legt Kläger seinen Fokus aktuell allerdings vorrangig auf Goldminenproduzenten und den Gold- und Silberpreis. Einen ETC (Exchange-Traded-Commodities) auf die Ölsorte Brent hat er vor wenigen Tagen mit Gewinn verkauft.

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TraderOnkel Albietz setzt in seinem wikifolio AA+ Master-Trading ohne Hebel nicht auf Einzelwerte aus der Branche, sondern eben auch auf börsennotierte Indexfonds: „Um einzelne Unternehmen aus der Ölbranche zu bewerten, bin ich nicht tief genug in der Materie drinnen. Jedoch bieten sich vor dem Hintergrund des niedrigen Ölpreises aktuell Spekulationen auf eine Erholung, mittels ETFs auf die gesamte Branche oder direkt auf den Ölpreis, durchaus an.“ Entsprechend befindet sich aktuell etwa ein ETC auf Brent mit einer Gewichtung von knapp vier Prozent im Depot.

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Nachhaltigkeit als Stolperstein?

Angesichts des zunehmenden Trends zur Nachhaltigkeit stellt sich allerdings eine Grundsatzfrage: Hat die Ölbranche überhaupt noch eine Zukunft? Kläger ist überzeugt: „Die Nachfrage nach Öl wird nicht einfach von heute auf morgen verschwinden. Zieht die Konjunktur nach der Corona-Krise wieder an, so wird auch die Nachfrage nach Öl wieder zulegen. Wenn die Wirtschaft nach der Krise wieder angekurbelt wird, dürfte die Nachhaltigkeit vorübergehend etwas in den Hintergrund rücken. Hauptsache die Wirtschaft kommt wieder in Schwung.“ Dem schließt sich Albietz an: „Öl wird so schnell nicht aus unserem Leben verschwinden. Sei es als Basis für Treibstoffe oder als chemischer Grundstoff für andere Produkte. Auch wenn eine Verlagerung zu immer mehr nachhaltigen Rohstoffen stattfinden wird, wird es noch sehr lange dauern bis wir auf Rohöl als Basisrohstoff verzichten werden können.“ Scheungraber ergänzt abschließend: „Meiner Meinung nach ist dieser Trend bei der Branche schon in den Kursen eingepreist, was sich beispielsweise in den dauerhaft hohen Dividendenrenditen wiederspiegelt.“

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