02.10.2015| Von: Filip Nestorovic |

Kai Knobloch ist unter dem Tradernamen "Halbprofi87" auf wikifolio.com unterwegs und spricht im aktuellen Traders Talk über die Grundbedingungen für langfristigen Erfolg am Kapitalmarkt und warum er vom Social Trading so überzeugt ist.

Kai Knobloch

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Kai Knobloch

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Halbprofi87

Was sind Sie von Beruf?
Ich arbeite als Verwaltungswirt und studiere berufsbegleitend an der Fernuniversität in Hagen Wirtschaftswissenschaften.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Vor einigen Jahren war ich aufgrund der fallenden Zinsen auf der Suche nach Anlagealternativen. Freunde hatten mir von ihren Kapitalmarktaktivitäten berichtet, woraufhin ich mich ebenfalls intensiver mit dieser Thematik auseinandergesetzt habe. Wohlwissend, dass die zusätzlichen Renditechancen auch ein höheres Risiko bedeuten, habe ich mich frühzeitig in Diversifizierung und sorgfältiger Auswahl meiner Positionen geübt. Die letzten Jahre habe ich dann stetig versucht, meine Vorgehensweise zu verfeinern und hinsichtlich dem Ziel eines langfristigen Anlageerfolgs zu verbessern.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Morgens sehe ich mir zunächst die Kursentwicklungen in Asien an, da diese häufig Vorgaben für den europäischen Markt liefern. Vor allem die Börsen in Tokio, Hongkong und Shanghai geben aufgrund ihres Handelsvolumens einen ersten wichtigen Indikator wieder. Ich verfolge stets Ad- hoc -Meldungen und reagiere bei Überraschungen entsprechend schnell. Wichtige Veröffentlichungen, wie beispielsweise Quartalsberichte, analysiere ich (unmittelbar nach deren Veröffentlichung) genauer und versuche mir dadurch ein eigenes Bild von der jeweils aktuellen Situation zu verschaffen. Außerdem lege ich noch ein besonderes Augenmerk auf die Eröffnung des Handels an der Wallstreet und informiere mich über das tägliche Börsengeschehen in Foren bei ariva und wallstreet online.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ja, ich bin bereits „Real-Money“-Trader. Ich führe ein investierbares wikifolio mit dem Namen „Trend & Fundamental“. Publiziert hatte ich noch ein zweites wikifolio, welches ich mittlerweile aber geschlossen habe, damit ich mich voll und ganz auf „Trend & Fundamental“ konzentrieren kann. Meines Erachtens bedingt der langfristige Erfolg am Kapitalmarkt ein hohes Maß an Spezialisierung und Gründlichkeit, um mit den vielen Komplexitäten und Interdependenzen bestmöglich klar zu kommen. Aus diesem Grund werde ich meine ganze Energie weiterhin auf „Trend & Fundamental“ verwenden.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Ich bin sehr überzeugt von der Idee des social trading. Ich glaube, dass dieses Modell der Geldanlage die Finanzwelt verändern und verbessern kann. Für zahlreiche Anleger, ist es aufgrund mangelnder Transparenz bei vielen Finanzprodukten sehr schwierig, das für sie richtige Anlageprodukt zu finden. Hier kann die Investition in ein wikifolio eine gute Alternative sein, da der Anleger immer einen genauen Einblick erhält, wohin sein Geld investiert wird. Bei der Umsetzung dieses neuen Ansatzes möchte ich aktiv mitwirken. Wenn man als Trader seinen Job gut macht, ergibt sich eine win-win-Situation für Anleger und Trader.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Ich bin auf der Suche nach vielversprechenden Qualitätsunternehmen, von denen in Zukunft zu erwarten ist, dass sie strukturell weiter wachsen. Wenn diese Unternehmen zudem noch niedrig bewertet sind und nicht im Fokus aller Marktteilnehmer stehen, so sind sie ideal für mein Depot. Ich versuche diszipliniert und antizyklisch zu handeln. Sprich in steigende Kurse hinein werden immer wieder kleine Gewinne mitgenommen und bei Panik an den Märkten werden irrationale Kursverluste bei von mir favorisierten Unternehmen zu günstigen Käufen genutzt. Ähnlich verhält es sich mit Short-Absicherungen auf Indizes wie z.B. den DAX. Diese werden bei steigenden Gesamtmärkten tendenziell eher aufgebaut und bei sinkenden Märkten wieder abgebaut. Zusätzlich möchte ich künftig auch versuchen, beim Unterschreiten wichtiger Unterstützungen in den großen Indizes prozyklisch das wikifolio gegen stärkere Wertverluste abzusichern. Jedoch ist das antizyklische Vorgehen auf lange Sicht die erfolgversprechendere Strategie, weshalb diese auch weiter im Vordergrund stehen soll.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Mit der Entwicklung meines wikifolios bin ich sehr zufrieden. Es ist seit der Erstellung im April 2014 mit über 50 % im Plus. Der DAX hat im gleichen Zeitraum stagniert. Auch im Vergleich mit den großen amerikanischen Indizes Dow Jones und S&P 500 schnitt das wikifolio klar besser ab. Es zeigt sich meines Erachtens, dass eine langfristige und nachhaltige Strategie für viele Anleger auch in Zukunft zu bevorzugen ist.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Es gab 2 Highlights für mich. Ende 2014 bis Anfang 2015 GFT Technologies und seit Ostern diesen Jahres Hypoport. Diese Firmen habe ich bewusst ausgewählt, da ich von deren Chancenpotential überzeugt war (und immer noch bin).

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2015?
Ich glaube „verrückt“ trifft es ganz gut. Zuerst die gewaltige DAX-Hausse mit parallel stark fallendem Euro und danach eine ordentliche Korrektur mit Greichenland-Theater, China-Krise, Mini-Crash im August und jetzt dem Volkswagen-Skandal. Langweilig war dieses Börsenjahr sicherlich nicht und wird es wohl auch im 4. Quartal, mit Blick auf eine Erhöhung der Zinsen durch die amerikanische Zentralbank, nicht werden.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Definitv die deutschen Nebenwerte.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Trotz des starken Kursanstieges im laufenden Jahr hat Hypoport nach wie vor ein großes Potenzial. Besonders der elektronische Marktplatz für Finanzprodukte „europace“ rechtfertigt meiner Meinung nach eine höhere Bewertung.

IVU Traffic Technologies halte ich für eine schöne, solide Langfristinvestition, welche vom Markt aktuell noch nicht so stark beachtet wird.

Zudem erwarte ich mir gute Chancen bei Borussia Dortmund, da die Bewertung hier einfach zu niedrig ist. Selbst wenn die Champions League verpasst werden sollte, wovon ich nicht ausgehe, ist diese niedrige Börsenbewertung im Vergleich zu anderen Clubs nicht gerechtfertigt.

Bei sich erholenden Gesamtmärkten kann auch GFT Technologies wieder eine gute Rolle spielen, welche während der großen Kursverluste in den Sommermonaten sehr stabil war.

Die S+T AG sollte man ebenfalls auf dem Zettel haben. Das Unternehmen hat vielleicht die Chance in ein 1 bis 2 Jahren Mitglied im Tec-Dax zu werden. In diesem Index erhalten Unternehmen in der Regel weit höhere Bewertungsmultiplen als der S+T AG aktuell zugestanden werden.

Auch bin ich nach wie vor (trotz der sportlichen Bewertung) überzeugt von facebook und seinem CEO Marc Zuckerberg. Instagram, WhatsApp und Oculus bieten tolle Perspektiven für die Zukunft.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Ein größerer Verlust beim Handeln mit Hebelprodukten.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Wenn man von einem Unternehmen langfristig überzeugt ist, dann sollte man sich immer zugunsten der Aktie und gegen hochriskante Derivate entscheiden. Langfristig setzt sich in der Regel der faire Wert des Unternehmens durch. Allerdings kann es kurzfristig immer zu Irrationalitäten kommen, welche bei einem Hebelprodukt sehr gefährliche Auswirkungen bis hin zu einem Totalverlust haben können.

Das A und O ist die Fundamentalanalyse. Charttechnik darf ebenfalls nicht unterschätzt werden. Aber eine genaue Vorstellung über den fairen Wert eines Unternehmens erhält man nur über wichtige Unternehmenskennzahlen und deren Dynamik.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Ich kann jedem Trader die Bücher von André Kostolany und Warren Buffett ans Herz legen.