FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach seiner Stabilisierung am Dienstag wird der Dax erneut von gestiegenen Ölpreisen zurückgeworfen. Am Donnerstag signalisierte der X-Dax für den deutschen Leitindex einen 0,9 Prozent schwächeren Start bei 23.420 Punkten. Er nähert sich damit wieder dem bisherigen Tief seit Beginn des Iran-Kriegs, das am Montag mit 22.927 Punkten das niedrigste Niveau seit Mai vergangenen Jahres bedeutet hatte.
Entscheidend für Anleger bleibt die Entwicklung der Öl- und Gaspreise, denn nach dem jüngsten Rückgang unter die Marke von 90 Dollar kostete ein Fass Nordseeöl Brent am Donnerstagmorgen wieder bis zu 100 Dollar. Der Preis näherte sich damit wieder der Montagsspitze von fast 120 Dollar, als in einem panikartigen Moment das höchste Niveau seit 2022 markiert worden war.
Der Iran nimmt immer stärker die Energiewirtschaft in der Golfregion ins Visier. US-Präsident Donald Trump stellt zwar seit Tagen ein baldiges Ende des Krieges in Aussicht. Noch scheinen die Kapazitäten des Regimes in Teheran aber ausreichend für zumindest schmerzhafte Schläge. Ein Anstieg des Ölpreises um 15 Dollar je Barrel erhöhe den Verbraucherpreisindex der Eurozone um 0,3 Prozentpunkte, hatte RBC-Analystin Anke Reingen jüngst vorgerechnet.
Die Deutsche Bank sorgt sich vor diesem Hintergrund um die Wirtschaftsdynamik in Deutschland. Die Experten um Chefökonom Robin Winkler senkten ihre Wachstumsprognose für 2026 von 1,5 auf 1,0 Prozent und erklärten, der Krieg erinnere an den Golfkrieg Anfang der 90er Jahre, als nach der Wiedervereinigung schon einmal der Wachstumsimpuls einer groß angelegten fiskalischen Expansion gedämpft worden sei. Das Szenario sei aber noch weit vom Energiepreisschock 2022 entfernt und für eine Rezession bleibe die Hürde hoch.
Abseits der Geopolitik hat die Berichtssaison in Deutschland noch einmal viel zu bieten mit einer Reihe an Dax-Konzernen, die Zahlen vorlegten. Während sich mit Daimler Truck (Im Portfolio von Thorsten Mosel+724,2 %), Brenntag, BMW (Im Portfolio von Moritz Mühle+52,0 %) und RWE (Im Portfolio von Uwe Jaennert+241,4 %) die meisten Aktien im Tradegate-Handel zunächst nicht gegen die marktbreiten Verluste stemmen konnten, zeigten sich jene von Hannover Rück (Im Portfolio von Stefan Schmidmayr+208,4 %) relativ robust. Vor allem bei Daimler Truck kam Abgabedruck auf nach einem verhaltenen Ausblick.
Kursgewinne von mehr als sieben Prozent bahnen sich im vorbörslichen Handel beim Dax-Mitglied Zalando (Im Portfolio von Torsten Maus+159,3 %) an. Ein Händler erwähnte, die Zahlen lägen etwas über den Erwartungen. Der Online-Händler kündigte zusätzlich ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 300 Millionen Euro an und zeigte sich für 2026 optimistisch, indem er weiter wachsen und dabei auch auf die Anwendung von KI setzen will.
In den hinteren Börsenreihen entwickelte sich K+S (Im Portfolio von Philipp Traub+36,6 %) mit einem Tradegate-Anstieg um mehr als ein Prozent positiv dank Zahlen, die einem Händler zufolge "besser waren als befürchtet". Noch deutlicher um fast fünf Prozent nach oben ging es vorbörslich beim Leasinganbieter Grenke.
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