„Stellen Sie Wahrscheinlichkeiten über Vorhersagen“

Dennis Raute ist wikifolio-Trader mit dem richtigen Gespür für Chancen und Risiken. Das beweist er nicht nur als selbständiger Börsencoach, sondern auch in seinem wikifolio „Trendfolge&Trading“.

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Quelle: Dennis Raute, wikifolio.com

Mit dem Fokus auf charttechnischen und fundamentalen Trends gelang Raute eine Performance von über 70 Prozent seit Jänner 2013. Gleichzeitig hielt sich der maximale vorübergehende Wertverlust im wikifolio Trendfolge&Trading mit acht Prozent in sehr engen Grenzen. Im Interview spricht er über adäquates Risikomanagement und Vermeidung von Verlusten, das Börsenjahr 2020 und wieso es womöglich klüger ist, auf eigene Analysen zu vertrauen und nicht auf die des Bankberaters (oder Nachbarn).

In Ihrer Handelsidee konzentrieren Sie sich auf fundamentale und charttechnische Trends. Wonach halten Sie konkret Ausschau?

Dennis Raute ( DennisRaute ): Zunächst einmal ist die aktuelle Marktphase entscheidend für die Auswahl meiner Investments. So schaue ich beispielsweise darauf, was der Markt gerade „spielt“ - welche Branchen oder Einzelaktien derzeit im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Wichtig ist für mich außerdem, wie der Markt auf Nachrichten wie Prognoseanhebungen oder -abstufungen oder Veränderungen wichtiger Wirtschaftsdaten reagiert. In einigen Marktphasen reagieren Anleger deutlich sensibler auf entsprechende News, in anderen Marktphasen spielt so etwas kaum eine Rolle.

Wenn ich dann einen konkreten Trade eingehe, muss dieser immer ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen. Nur so gelingt es mir, langfristig Vorteile zu nutzen. Hinsichtlich meines Handelsstils konzentriere ich mich hauptsächlich auf Rebound-Trading, Swing-Trading und News-Trading.

Bei einem Blick auf Ihr wikifolio sticht sofort die ausgesprochen niedrige Volatilität ins Auge. Wie ist es Ihnen gelungen, den maximalen bisherigen Verlust in über fünf Jahren bei unter acht Prozent zu halten?

Ich achte darauf, dass die Kursschwankungen in meinem wikifolio nicht überhand nehmen und das Risiko auf das Gesamtdepot möglichst gering bleibt. Hierbei macht es dann schon einen Unterschied, ob mehrere Einzelpositionen im Plus sind – in diesem Fall kann ich auch mehr Risiko eingehen – oder ob vielleicht gerade einige Titel unter Wasser liegen – Trading-Ideen sich also nicht wie geplant entwickeln. In einem solchen Fall werde ich dann risikoscheuer und gebe den Handelsideen im Verlustfall nicht mehr so viel Raum.

Chart

Kennzahlen

  • +73,4 %
    seit 25.01.2013
  • +12,9 %
    1 Jahr
  • 0,4×
    Risiko-Faktor
  • EUR 1.444.242,32
    investiertes Kapital
Die Chancen UND Risiken stets im Blick!

Mit über 40 Prozent setzen Sie aktuell auf eine recht hohe Cash-Quote. Welche Strategie und Markterwartung steckt dahinter?

Das hat mit meiner Markterwartung eigentlich kaum etwas zu tun. Für meinen Handelsstil benötige ich einfach eine gewisse Cash-Quote, um flexibel und spontan reagieren und entsprechende Handelschancen wahrnehmen zu können. Situationen, in denen ich „all in“ gehe, gibt es eigentlich nie. Mit der aktuellen Cash-Quote fühle ich mich wohl.

Ein Short-ETF auf den DAX ist mit 14 Prozent aktuell recht hoch gewichtet – warum diese Wette gegen den deutschen Index?

Auf den ersten Blick könnte der Eindruck entstehen, dass ich mit diesem Short-ETF auf einen Kursrutsch beim DAX wette. Dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr ist dieser DAX-Short-ETF als kleiner Hedge auf meine Depot-Long-Positionen zu sehen. Sollte die Börsenstimmung kippen und der Gesamtmarkt unter die Räder kommen, werden auch meine Einzelpositionen an Wert verlieren. Mit einem Short-ETF kann ich entsprechende Buchverluste abfedern, ohne meine Werte direkt verkaufen zu müssen. Der ETF ist somit eher ein Instrument der Risikobegrenzung oder -vermeidung als eine Wette gegen den deutschen Index.

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Es kommt derzeit zu einem Auseinanderdriften zwischen Realwirtschaft und den Entwicklungen am Aktienmarkt. Vor diesem Hintergrund dürfte das kommende Jahr kein einfaches für die Börsen werden. (...)

Dennis Raute
DennisRaute

Ganz allgemein, was erwarten Sie für das Börsenjahr 2020?

Ich denke, dass das kommende Börsenjahr durchaus einige Herausforderungen und Überraschungen für Anleger und Investoren bereithält. Aus fundamentaler Sicht haben die Börsen mit einer Verlangsamung des globalen Wachstums zu kämpfen. Auf der anderen Seite stützt die weiterhin lockere Geldpolitik der Notenbanken die Kurse und macht Aktienanlagen weiterhin „alternativlos“. Somit kommt es derzeit zu einem Auseinanderdriften zwischen Realwirtschaft und den Entwicklungen am Aktienmarkt. Vor diesem Hintergrund dürfte das kommende Jahr kein einfaches für die Börsen werden. Das bedeutet, Anleger müssen flexibel sein und auf Marktveränderungen entsprechend reagieren. Einfaches Buy-and-Hold-Investing wird, meiner Meinung nach, nicht die gewünschten Ergebnisse bringen.

My Hammer ist mit knapp 18 Prozent die mit Abstand größte Aktienposition im wikifolio. Warum schlägt Ihr Herz für das Berliner Internetportal?

Grundsätzlich finde ich das Geschäftsmodell von My Hammer interessant. Das Unternehmen betreibt mit „MyHammer“ einen Online-Marktplatz für (Handwerks-)Dienstleistungen. Hier können sich Auftraggeber anhand von Bewertungen, Qualifikationen und Referenzen eingehend über Handwerker und Dienstleister informieren, bevor sie einen Auftrag erteilen. So etwas ist deutlich spannender als beispielsweise die „Gelben Seiten“.

Ich bin bereits 2014 auf My Hammer aufmerksam geworden, als die Quartalsberichte und das Kundenwachstum positive Impulse für die Aktie lieferten. Der ursprüngliche Kauf war somit fundamental unterfüttert, die Kursentwicklung wies ebenfalls in diese Richtung. Für mich war damals absehbar, dass das Unternehmen binnen der folgenden zwei Jahre den Break Even erreichen würde. Dadurch bin ich schon relativ früh hier eingestiegen und halte einige Stücke von damals immer noch.

Mit Teilverkäufen der My Hammer-Aktie haben Sie schon satte Gewinne erzielt. Wie viel Potential hat die Aktie Ihrer Meinung nach und wie kommen Sie zu dieser Bewertung?

Die Aktie hat meiner Meinung nach noch viel Potential. Im ersten Halbjahr konnte das Unternehmen seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 35 Prozent auf 8,6 Millionen Euro steigern. Die Kundenbasis kletterte um 19 Prozent auf rund 23.650 Partnerpakete. Das Periodenergebnis verzehnfachte sich auf 0,8 Millionen Euro. Auch wurde ein neues Gebührenmodell eingeführt. Das zeigt, welches Potential und welche Dynamik in der Vermittlungsplattform stecken. Von Kunden wurde MyHammer in diesem Jahr erneut zum besten Handwerkerportal gewählt. Hält die Umsatz- und Gewinndynamik an, kann ich mir Kurse um 20 Euro im kommenden Jahr durchaus vorstellen.

Gibt es noch andere Aktien oder ganze Märkte, die Sie gerade überzeugen?

Ganz aktuell mag ich die Aktie des Softwarekonzerns SAP . Die Walldorfer konnten erneut mit ihren Quartalszahlen überzeugen und wollen vor allem im Cloudgeschäft weiter wachsen. Ansonsten schau ich mir persönlich auch gern exotische Märkte an. Neben den Schwellenländern in Asien finde ich auch den afrikanischen Markt spannend.

Von welchen Investments lassen Sie grundsätzlich die Finger?

Ich mag grundsätzlich keine zyklischen Aktien, also Autos, Zulieferer, Maschinenbau etc. Hier schwanken die Kurse mit dem Auf und Ab der Konjunktur. Langfristig stabiles Wachstum sieht anders aus. Außerdem lasse ich meine Finger von dubiosen Graumarkt-Anlagen und ähnlichem.

Welche war die erste Aktie, die Sie gekauft haben?

Meine erste Aktie habe ich, als damaliger Schüler, auf Anraten meines früheren Bankberaters gekauft. Er meinte, nach dem Erdbeben in Japan wäre es sinnvoll, in eine japanische Baufirma zu investieren. Ich hatte damals wenig oder eigentlich keine Ahnung von Börse und bin seinem Rat gefolgt. Ergebnis: kompletter Schiffbruch – der Trade ging völlig nach hinten los. Seitdem vertraue ich meinen eigenen Analysen und treffe meine eigenen Handelsentscheidungen.

Sie sind selbständiger Börsencoach. Was sind die drei wichtigsten Skills, die Sie Ihren Coachees vermitteln?

Kurz gesagt: Money Management, Methode (Strategie) und mentale Stärke. Diese drei Dinge sollten Trader lernen und umfassend vertiefen. Dann können sie auch an der Börse erfolgreich sein.

Zum Abschluss, welche Börsenweisheit(en) sollte man als Anleger berücksichtigen?

Konzentrieren Sie sich darauf, was passiert und nicht darauf, warum es passiert! Stellen Sie Wahrscheinlichkeiten über Vorhersagen!

Herr Raute, danke für das Gespräch.

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Trendfolge&Trading

Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf www.wikifolio.com, www.ls-tc.de und www.ls-d.ch hingewiesen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden.