28.07.2018| Von: Andreas Kern |

 

Portrait Andreas Kern


Die Automobilindustrie ist – gemessen an Umsätzen und Mitarbeiterzahl – nach wie vor die mit Abstand wichtigste Industrie in Deutschland und auch weltweit gehört sie zu den Schwergewichten. Kein Wunder, dass sie unter genauer Beobachtung steht. Die jüngsten schlechten Zahlen bei Daimler lassen erste Zweifel aufkommen, ob das Unternehmen noch immer unter dem sprichwörtlich „Guten Stern“ fährt. Zumal es nicht ein einzelner Faktor war, der bereits im Juni zu einer Gewinnwarnung führte. Der drohende Handelsstreit mit den USA, Rückrufaktionen, Rechtsstreitigkeiten bzw. deren Kosten, Lieferausfälle und Rabatte für chinesische Händler belasten die Bilanz. Das Ganze kommt so geballt, dass sich das Management gezwungen sah, quasi direkt im Anschluss an die schlechten Zahlen, einen Konzernumbau zu verkünden.

Daimlers Stern bröckelt

Fiat Chrysler und Tesla im Börsengewitter

Ein solcher Umbau war einst auch bei Fiat notwendig geworden. Im Jahr 2004 war das Unternehmen de facto pleite. Doch die Turiner schafften die Wende und stiegen wie Phönix aus der Asche. Eng mit diesem Aufstieg verbunden ist der Name Sergio Marchionne. Der Italo-Kanadier sanierte den Konzern nicht nur, er brach mit überkommenen Traditionen, fädelte die Fusion mit Chrysler ein und legte in einer sehr konventionellen Branche ein sehr unkonventionelles Verhalten an den Tag. Am Mittwoch verkündete Fiat nun den überraschenden Tod Marchionnes und die Börsen schickten die Aktie erst einmal tief in den Keller. Mit dem Verlust des Visionärs und Vordenkers steht die Frage im Raum, wie weit der Erfolg eines Weltkonzerns tatsächlich von einer einzelnen Person abhängt. Eine Frage übrigens, die sich das vermutlich unkonventionellste Unternehmen der Branche, Tesla, ebenfalls stellen muss. Hier wird der Chef, Elon Musk, nicht nur aufgrund seiner jüngsten Twitter-Einlagen zunehmend zur Belastung. Dabei ist gerade Tesla das Unternehmen, welchem am ehesten der Brückenschlag zwischen Old und New Economy zugetraut wird. Und in der Hightech-Welt spielt aus Börsensicht – trotz schlechter Facebook-Zahlen – derzeit noch immer die Musik.

 

Virtueller Rohstoff

So sieht das auch Alexander Bamberg („Yoda12“). Er setzt daher voll auf den Treibstoff, der die Hightech-Revolution befeuert: Daten. In seinem wikifolio „Daten – das Öl des 21. Jhd“ konzentriert er sich auf Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell rund um das Generieren und Kommerzialisieren von Daten aufgebaut haben. Aufgrund der dortigen Vorreiterrolle liegt der Investmentschwerpunkt daher in den USA. Mit Amazon und Alphabet sind bekannte Schwergewichte der Hightech-Industrie im Portfolio vertreten, aber auch hierzulande eher unbekannte Unternehmen wie das russische Suchportal Yandex, das medizinische Beratungsportal Teladoc (USA) oder die Wissensplattform Yext (ebenfalls USA) fanden sich auf Bambergs Einkaufsliste.

 

Daten - das Öl des 21. Jhd

Dass diese ziemlich durchdacht und erfolgreich ist, dafür spricht die Performance: Ein Plus von 34,4% auf Sicht von zwölf Monaten ist ein klarer Hinweis darauf, welcher virtuelle Rohstoff den Hightech-Boom antreibt – und damit auch Bambergs wikifolio.

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Hightech aus Deutschland

Einen etwas anderen Ansatz, allerdings auch mit einem Fokus auf Technologiewerte, verfolgt Frank Keip („TrendSelect“). Sein wikifolio „Trend Select Technology“ beschränkt sich auf die 30 im TecDAX vertretenen Werte. Seine Ein- und Ausstiegspunkte definiert Keip dabei über eine Performance-Rangliste. Gekauft werden dürfen nur die auf Jahressicht besten Zehn dieser Liste. Unternehmen, die aus diesen Top Ten absteigen, werden dementsprechend verkauft. Im Ergebnis führt die Strategie zu einem mittelfristigen Anlagehorizont. Außerdem möchte Keip stets in mindestens fünf Werte diversifizieren, um keine zu großen Einzelrisiken einzugehen. 

Trend Select Technology

Mit seiner Strategie hat er jedenfalls den Beweis angetreten, dass die Begriffe „Deutschland“ und „Technologie“ kein Widerspruch sind: Satte +47,8% innerhalb der vergangenen zwölf Monate sprechen eine klare Sprache.

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Eines für alle?

Ob High- oder „Lowtech“, ob New oder Old Economy, das interessiert Jürgen Kraus („WachstumPlus“) herzlich wenig. Wer es in sein wikifolio „All In One“ schaffen will, der muss vor allem überproportionales Wachstum und überproportionale Gewinne mitbringen. Darüber hinaus ist ihm ein klar etablierter Aufwärtstrend wichtig. Zum Einstieg wird aber wirklich erst dann geblasen, wenn neben den fundamentalen auch die charttechnischen Signale stimmen. Die Haltedauer der Werte kann dann von einigen Tagen bis zu mehreren Jahren betragen – je nachdem wie lange Wachstumsaussichten, Gewinne und Charts mit Kraus’ Ansprüchen übereinstimmen.

All In One

Die maximale Positionsgröße beträgt 8% und für den Fall der Fälle kann das wikifolio auch mit Short-ETFs abgesichert werden. Angesichts eines Zugewinns von mehr als 208% seit der Auflegung im April 2013 könnte das wikifolio auch „Eines für alle“ heißen.

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Was kommt?

Das sollten Anleger im Auge behalten

Aus finanzpolitischer Sicht steht die kommende Woche im Zeichen der Zinsen. Während die Japaner am Dienstag wohl alles beim Alten belassen werden, verspricht der Mittwoch mehr Spannung. Die Fed wird ihre Zinsentscheidung verkünden, und man darf gespannt sein, ob sich die geldpolitischen Falken von den Drohungen des US-Präsidenten ins Bockshorn jagen lassen werden, oder ob sie ihm nun erst recht die Stirn bieten.

Mit besonderer Spannung – und da schließt sich der Kreis – dürfte auch die Automobilbranche auf den Mittwoch blicken: Tesla verkündet seine Quartalszahlen und da muss sich zeigen, ob Elon Musk seinen vielen Versprechungen nun auch einmal positive Zahlen folgen lassen kann. Die Geduld der Marktteilnehmer ist auch bei Tesla nicht unendlich.

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