28.09.2017| Von: Anja Branz |

 

Der Finanzjournalist Tim Rademacher aka "smax1980" kann zufrieden sein, wenn es um die Performance des wikifolios "Value Driven" bzw. jene des zugehörigen Zertifikates geht. Seit Jahresbeginn liegt es knapp 120 Prozent im Plus. Rademacher verrät uns im Gespräch, wie er zum Trading kam und was das mit IBM zu tun hatte. Außerdem spricht er über seine Handelsidee, erklärt, warum Prognosen über die Entwicklung der Aktienindizes eigentlich unseriös sind und nennt 3 Dinge, die er Börse-Einsteigern mit auf den Weg geben würde. Viel Spaß beim Lesen!

 


wikifolio-Trader: smax1980

Erfolgreichstes wikifolio*:
Value Driven

  • Performance seit Beginn: +307,6%
  • Maximaler Verlust (bisher): -22,8%
  • Aktuell investiertes Kapital: 4.606.101 Euro 

*) nach investiertem Kapital, Stand: 28.09.2017

 

 

Verraten Sie uns Ihren Namen.

Mein Name ist Tim Alexander Rademacher.

Unter welchem Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?

Unter smax1980. Der Name entstand vor knapp 20 Jahren und leitet sich aus dem ehemaligen Nebenwerteindex SMAX und meinem Geburtsjahr ab.

Was sind Sie von Beruf?

Ich bin Finanzjournalist. Durch meine Tätigkeit habe ich mir ein großes Netzwerk zu verschiedenen Marktakteuren aufgebaut. Allerdings habe ich zuletzt nicht über Einzelwerte sondern eher über Themen aus dem Bereich Asset-Management geschrieben. Zuvor sammelte ich bereits wertvolle berufliche Erfahrung im Trading und im Online-Brokerage. Glücklicherweise hat für mich die wirtschaftliche Bedeutung meiner nebenberuflichen Aktienanlage in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Dies ist eine außergewöhnliche Story. Meine Mutter war bei einem Finanzinstitut beschäftigt. Als ich 14 Jahre alt war, kaufte sie mir überraschend und ungefragt 5 IBM Aktien im Wert von insgesamt 500 DM. Das Geld stammte von meinem Sparbuch. Fortan verfolgte ich aufmerksam die Kursentwicklung und das Marktgeschehen kontinuierlich. Über den ersten minimalen Gewinn freute ich mich sehr.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Vorab möchte ich betonen, dass ich an vielen Tagen keine Wertpapiertransaktionen vornehme, dennoch verfolge ich die Kapitalmärkte intensiv. Ich stehe um circa 6:30 Uhr auf und informiere mich dann auch sehr zeitnah über das aktuelle Marktgeschehen. Dabei achte ich darauf, welche Entwicklung die US-Futures über Nacht vollzogen haben und betrachte das Währungspaar Euro/US-Dollar. Dadurch bekomme ich ein präzises Gefühl dafür, wie die deutschen Märkte eröffnen werden.

Ab circa 7:30 Uhr schaue ich mir alle relevanten Unternehmensmeldungen aus Deutschland an und analysiere, ob die aktuelle Positionierung meiner Einschätzung nach richtig ist. Während des Handelsverlaufs auf Xetra habe ich häufiger mein Smartphone im Blick, auf dem ich eine Realtime-Watchlist mit allen interessanten Werten gespeichert habe. Ich möchte die relevanten Bewegungen immer im Auge haben. Nach Xetra-Schluss analysiere ich das Tagesgeschehen. Abends verfolge ich auch das Marktgeschehen an den US-Börsen, da diese den deutschen Markt am Folgetag beeinflussen. 

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits "Real-Money"-Trader?

Aktuell führe ich nur das wikifolio "Value Driven" – und das mit viel Engagement und mit Echtgeld. Selbstverständlich bin ich selbst in dem zugehörigen Zertifikat investiert, da ich auf meine Strategie vertraue. Mein zweites wikifolio "Deutsche Aktien Aktiv" wird demnächst starten. Aber aktuell habe ich noch nicht die Zeit gefunden, potenziell interessante Werte zu analysieren. Deshalb kann man zurzeit auch noch nicht in dieses wikifolio investieren. 

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie auf wikifolio zu veröffentlichen?

Seit dem Jahr 2010 hatte ich sehr viel Erfolg mit meiner Anlagestrategie. Insgesamt schaffte ich es in diesem Zeitraum meistens, den Markt signifikant outzuperformen, wobei es natürlich immer zeitlich begrenzte Rücksetzer gab. Leider war dieser Track-Record gegenüber Leuten aus der Finanzbranche sehr schwer nachzuweisen, weshalb ich mich entschied, meine Idee zu veröffentlichen. Allerdings ist diese relativ komplex, da viele Faktoren bei meinen Investitionsentscheidungen relevant sind. Dieser sehr detaillierte Investmentansatz hat aber auch den Vorteil, dass meine Handelsidee kaum zu kopieren ist, weshalb ich eine Veröffentlichung nicht kritisch sehe.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?

Ich verfolge eigentlich einen mittel- bis langfristigen Ansatz und bin nur ungehebelt investiert. Allerdings löse ich Positionen relativ schnell auf, wenn sich meine Einschätzung zur jeweiligen Aktie ändert. Da ich meistens zu 100 Prozent investiert bin, muss ich manchmal auch Positionen auflösen oder reduzieren, wenn ich neue spannende Titel entdecke.


"Kurzfristiges Handeln vermeide ich,
da schnelle Kursbewegungen nur selten gut prognostizierbar sind."


Kurzfristiges Handeln vermeide ich, da schnelle Kursbewegungen nur selten gut prognostizierbar sind. Hierbei stellt das Newstrading allerdings eine Ausnahme dar. Ich kann häufig sehr schnell und recht gut einschätzen, wie ein Titel auf eine Meldung reagiert, wenn ich das Unternehmen gut kenne. Dafür ist das wikifolio aber mittlerweile zu hoch kapitalisiert.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihres wikifolios?

Seitdem ich mein wikifolio "Value Driven", welches lange nicht publiziert war, intensiver betreue, ist die Performance des Zertifikates für mich, vorsichtig formuliert, sehr zufriedenstellend. Natürlich sind Prognosen über die Zukunft schwierig, zudem gab es in der Börsen-Historie immer wieder Krisen. Deshalb gibt es mit umfassender Sicherheit keine Garantie, dass dieses wikifolio auch in Zukunft eine solche Dynamik aufweisen kann. Allerdings bin ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung optimistisch, dass ich auch zukünftig eine recht gute Chance habe, eine deutliche Outperformance gegenüber den relevanten Benchmarks zu erreichen. Ich bin stets und intensiv auf der Suche nach interessanten Aktien, die das Potenzial haben, das wikifolio signifikant nach vorne zu bringen. 

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?

Ein richtiges kurzfristiges Trading-Highlight gab es nicht, obwohl ich immer mal wieder anständige Gewinne realisieren konnte. Allerdings hat mir die Aktie von Evotec in meinem wikifolio eine große Freude bereitet. Dieses Beispiel zeigt, dass man Gewinne laufen lassen sollte. Zwischenzeitliche Rücksetzer haben zwar Nerven gekostet, allerdings wurde ich bei dem mittlerweile milliardenschweren TecDAX-Wert für die Ausdauer belohnt.

"Die Evotec-Aktie hat mir große Freude bereitet. 
Ich halte CEO Lanthaler für einen ausgezeichneten Strategen."


Aktuell besteht die Position immer noch, weil ich hier weiterhin Potenzial sehe. Ich halte den langjährigen CEO Werner Lanthaler, der übrigens aus Oberösterreich stammt, für einen ausgezeichneten Strategen. 

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich noch vom Börsenjahr 2017?

Ich bin fest davon überzeugt, dass kurzfristige und mittelfristige Prognosen über die Entwicklung der großen Indizes eigentlich unseriös sind. Fragen sie zehn hochbezahlte Experten, sie bekommen zehn verschiedene Antworten. Allerdings würde ich mich freuen, wenn eine Jahresendrallye kommt. Die Stimmung am Markt ist noch nicht überhitzt. Dennoch gibt es auch Risiken, speziell durch die globale politische Lage und auch in einem gewissen Umfang durch die Geldpolitik.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß?

Am meisten Spaß habe ich mit Nebenwerten und Titeln aus dem TecDAX. Dabei sollte die Marktkapitalisierung wegen der Liquidität deutlich über 50 Millionen Euro liegen und das Unternehmen in der Regel ein erprobtes Geschäftsmodell entwickelt haben. Kleine Titel haben den Vorteil, dass diese nicht von zu vielen Experten verfolgt werden, sodass hier interessante Investitionsmöglichkeiten leichter zu finden sind. Zudem kann man sich in diesem Segment detaillierter informieren als über ausländische Titel. Dieser Wissensvorteil ist generell ein zentraler Baustein meiner Strategie. Häufiger als allgemein vermutet erkennt der Gesamtmarkt spannende Aktien erst mit einer zeitlichen Verzögerung. 

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Ich bevorzuge ganz eindeutig deutsche Nebenwerte ab einer gewissen Größe. Nicht selten mit einem Bezug zu neuen Technologien, die über ein großes Zukunftspotenzial verfügen und das Potenzial zum "Game Changer" haben. Insgesamt ist in unserer Wirtschaft so radikal Umbruch wie nie zuvor, das Rad dreht sich immer schneller. Dies eröffnet nicht nur Risiken sondern auch große finanzielle Chancen. Allerdings darf der jeweilige Titel noch nicht überhitzt sein. Sind viele Kleinanleger und Zocker in einem Nebenwert investiert, ist dies meist sehr gefährlich.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Im Alter von circa 16 Jahren erlitt ich einen Verlust von 95 Prozent durch die Insolvenz des Werftenkonzerns Bremer Vulkan. Auch war das Platzen der Blase am "Neuen Markt" mit einem schmerzhaften Verlust verbunden. Aus heutiger Sicht hätte ich mich aber damals anders verhalten, da ich zu dieser Zeit noch über weitaus weniger Wissen verfügte. Ich habe mich massiv geärgert, weil ich nur über ein sehr kleines Vermögen verfügte und ein geringes Einkommen erzielte.

Insgesamt waren diese Lektionen für mich sehr lehrreich. So habe ich im Laufe der Zeit ein gesundes Misstrauen aufgebaut. Ich analysiere vor jeder Investition jetzt noch wesentlich intensiver die damit verbundenen Risiken. Oft analysiere ich ein Unternehmen über mehrere Wochen hinweg ausführlich. Dadurch konnte ich die Zahl der teuren Lektionen sehr deutlich reduzieren.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Ich könnte viele Ratschläge nennen, möchte mich aber auf die drei wichtigsten beschränken. Zunächst würde ich nicht in Unternehmen investieren, die aufgrund operativer Schwierigkeiten sehr günstig erscheinen. Hier droht zumeist ein Totalverlust. Nicht umsonst heißt es, erst ab einem Kurs von 0,00 kann eine Aktie nicht mehr weiter fallen.


"Erst ab einem Kurs von 0,00 kann

eine Aktie nicht mehr weiter fallen"


Zweitens würde ich nicht ausschließlich auf Finanzjournalisten hören. Auf dem Höhepunkt der Krisen in den Jahren 2003 und 2008 bis 2009 haben viele "Börsenexperten" zu Tiefstkursen zum Verkauf geraten, da sinnbildlich der Weltuntergang bevorstehen würde. Gleichzeitig wurden in den Jahren 1999 und 2000 Aktien zu Höchstkursen massiv in den Medien empfohlen. Mit einer solchen Strategie können unerfahrene Anleger mit großer Sicherheit zumeist nur verlieren. Vielmehr sollte sich jeder Investor seine eigene Meinung bilden und nicht blind einer Herde wie ein Lemming folgen.

Drittens würde ich zunächst mit recht kleinen Summen anfangen. Fast alle erfolgreichen Trader mussten zu Beginn Lehrgeld zahlen. Ein Demo-Konto macht meiner Meinung nach aber wenig Sinn, da hier die wichtigen und realen Emotionen beim Trading kaum vorhanden sind. 

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

"Jesse Livermore – Das Spiel der Spiele", ein Roman von Edwin Lefèvre. Das Buch dreht sich um den sehr erfolgreichen Trader Jesse Livermore, welcher aus sehr einfachen Verhältnissen zu einem gewaltigen Vermögen gekommen ist. Dieser Investor hat die Funktionsweise der Märkte extrem gut verstanden. Die Handlungen spielen zwar circa im Zeitraum von 1890 bis 1940. Allerdings haben sich überraschend viele grundlegende Elemente an der Börse nicht geändert.
 

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