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AKTIEN IM FOKUS: DeepSeek sorgt für KI-Gewitter - Experten: Sorgen übertrieben

27.01.2025

09:01

FRANKFURT/NEW YORK

FRANKFURT/NEW YORK (dpa-AFX) - Die Debatte um das chinesische KI-Start-up DeepSeek dürfte Techwerte am Montag teils deutlich nach unten ziehen. Für den technologielastigen US-Index Nasdaq 100 zeichneten sich am Morgen Verluste von mehr zweieinhalb Prozent ab. Allerding hatte der Index 2024 auch um rund 25 Prozent zugelegt, nach einem Anstieg um mehr als 50 Prozent im vorangegangenen Jahr 2023.
Am Wochenende kochten Diskussionen über DeepSeeks neuestes KI-Modell immer weiter hoch, da es kosteneffizient sein soll und womöglich mit weniger starken KI-Chips auskomme, als die großen KI-Modelle der etablierten Anbieter. Experten wollen die jüngsten Entwicklungen zwar nicht überbewerten. Gleichwohl könnte die Debatte eine Konsolidierung der teils hohen Bewertungen im Tech-Bereich auslösen, so ein Börsianer.
So weckt die Debatte bei Investoren Sorgen mit Blick auf die Bewertungen von Tech-Werten wie die KI-Chipspezialisten Nvidia (Im Portfolio von Mark Winter +185,4 %), Broadcom (Im Portfolio von Michael Kranich +134,1 %) und AMD (Im Portfolio von Christoph Scheuch +83,2 %) oder des Software-Konzerns Microsoft (Im Portfolio von Bernhard Mitterlehner +66,5 %). An der japanischen Börse gerieten die Halbleiterindustrie-Ausrüster Tokyo Electron und Advantest sowie der Tech-Investor Softbank deutlich unter Druck.
Am deutschen Markt sollten Aktien wie Aixtron (Im Portfolio von Philipp Traub +37,3 %), Siltronic, Suss Microtec, Kontron (Im Portfolio von Mate Gotovac +86,7 %) und Infineon im Auge behalten werden. Suss etwa sackten vorbörslich um rund acht Prozent ab. Auch Papiere aus dem Energiebereich könnten wegen des Strombedarfs der rechenintensiven Systeme unter der Debatte leiden: Siemens Energy hatten zuletzt deutlich von dieser Fantasie profitiert.
"Das Weltuntergangszenario, das gerade im Twitter-Universum verbreitet wird, scheint übertrieben", schreiben die Experten um Stacy Rasgon von Analysehaus Bernstein Research. Die KI-Modelle von DeepSeek seien gut und böten eine gute Leistung, allerdings sei OpenAI garantiert nicht für 5 Millionen US-Dollar nachgebaut worden. Zudem überrasche die Effizienz von DeepSeek-V3 nicht angesichts des verwendeten Modellaufbaus. Diese sogenannte Mixture-of-Expert (MoE)-Architektur sei darauf ausgelegt, die Kosten für Training und Betrieb von KI-Modellen zu reduzieren, da immer nur ein Teil der Modellparameter aktiv sei.
Dass die aktuellen Entwicklungen Investoren dennoch nervös machten, basiert laut Rasgon und Kollegen auf einem Missverständnis mit Blick auf die Kosten für das jüngste DeepSeek-Modell. Weitere Gründe seien, dass DeepSeek kleinere Modelle aus größeren extrahiere sowie die niedrigen Preise, die es für die Nutzung seiner Programme aufrufe.
Der erste Sorgenfaktor erscheine grundsätzlich falsch, da das Unternehmen keine revolutionären oder unbekannten Technologien verwendet habe, so die Experten. Der zweite Punkt sei schon interessanter, aber auch nichts Neues, wenngleich die Berechtigung des Ansatzes untermauert worden sei.
Die Investorensorgen angesichts der Preise, die DeepSeek verlangt, seien allerdings nicht von der Hand zu weisen. Zwar sei die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens unklar, aber die Sache werfe Fragen über die Rolle und Lebensfähigkeit von proprietären KI-Modellen im Vergleich zu Open-Source-Ansätzen auf.
Grund zur Panik sei all das aber dennoch nicht, denn angesichts der rasant steigenden Kosten für den weltweiten KI-Ausbau seien Innovationen wie die von DeepSeek notwendig. Diese Innovationen gingen zudem wohl kaum über das hinaus, was Top-KI-Entwickler nicht auch wüssten. Und: Im Techsektor sorgten Effizienzzuwächse normalerweise für ein Nachfragewachstum.

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