Übernimmt sich Infineon?

Die geplante Übernahme der kalifornischen Cypress Semiconductor hat die Aktie von Infineon in dieser Woche schwer belastet. Am Montag waren alle Augen auf das Tech-Papier gerichtet, das mit einem Minus von acht Prozent der mit Abstand größte Verlierer unter den gut 100 HDAX-Werten war.

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Durch die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte würde der deutsche Chiphersteller Infineon zum weltweit größten Halbleiterlieferanten für die Automobilindustrie aufsteigen. Noch jedoch fehlen die endgültigen Genehmigungen von Seiten der Regulierungsbehörden. Obwohl Cypress schon im ersten Jahr nach der Akquisition positiv zum Gewinn des DAX-Konzerns beitragen soll und langfristige Umsatzsynergien von über 1,5 Milliarden Euro winken, senkten die Investoren also erst mal den Daumen.

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Es kommt nicht immer auf die Größe an

Was Anleger daraus lernen können? An der Börse kommt es immer auch auf die Nebengeräusche an. So bewerten die Analysten der DZ Bank den Deal zwar als einen großen Schritt zur Erweiterung des Produktportfolios und damit zur Verbesserung der Marktposition. Die dafür wohl notwendige Kapitalerhöhung mit anschließendem Verwässerungseffekt sorge aber für Verunsicherung am Markt. Die Kollegen der NordLB bezeichnen die Übernahme sogar als „strategisch sehr sinnvoll“, finden den Kaufpreis von etwa 10 Milliarden US-Dollar aber „zumindest sportlich“.

Weil zudem der anhaltende Handelskonflikt die Aktien der Halbleiterbranche belastet, haben einige Banken ihre Kursziele im Laufe der Woche reduziert. Zu einer Anhebung des fairen Wertes sah sich bei dem DAX-Konzern kein einziger Analyst veranlasst. 

Seit Mitte April musste die Aktie von Infineon deutliche Kursverluste von 30 Prozent hinnehmen. Das sieht kurzfristig erschreckend aus, relativiert sich aber beim Blick auf den Langfristchart. So sind die Infineon-Papiere an der Börse seit 2008 trotz der jüngsten Einbußen von 0,40 Euro auf 15 Euro gestiegen.

wikifolio-Trader auf Einkaufstour

Die alles entscheidende Frage, ob man jetzt bei dem Chiphersteller einsteigen soll, beantwortete die Mehrheit der wikifolio-Trader diese Woche mit einem klaren „Ja“. Über 80 Prozent der Trades in Infineon waren Käufe. Auch Michael Flender ( goldeseltrading ) ist für sein wikifolio Goldesel-Trading noch mal aktiv geworden. Der erfahrene Vollzeit-Trader hatte bereits Mitte Mai bei gut 18 Euro mit dem Einkauf bei der Infineon-Aktie begonnen. Seinen Einstandskurs hat er daraufhin in mehreren Schritten reduziert, u.a. durch Zukäufe nach dem Kursrutsch am Montag: „Infineon wird massiv abgestraft, ich baue die Position weiter aus, da die Übernahme langfristig sehr sinnvoll ist. Anfang Mai war die Aktie noch bei 21 Euro, absolut irre.“ In seinem wikifolio ist die ehemalige Siemens-Tochter mit einem Depotanteil von 7,5 Prozent nun das Schwergewicht. Nachdem die Cash-Quote in den vergangenen Tagen von 60 auf 40 Prozent reduziert wurde, tummeln sich aktuell 14 Werte in dem wikifolio. Das kommt seit der Erstellung aktuell auf eine Performance von 140 Prozent. Exakt ein Zehntel davon konnte im bisherigen Jahresverlauf generiert werden.

Chart

Derivate sind doch kein Teufelszeug

Simon Endt ( greenvelvet ) hat den erneuten Schwächeanfall bei Infineon ebenfalls genutzt und gestern Vormittag zugeschlagen: „Buy on bad news. Habe heute ein Position auf Infineon eröffnet.“ In seinem wikifolio Derivate-Trader befindet sich allerdings nicht die Aktie selbst, sondern ein frisch aufgelegtes Capped Bonus-Zertifikat auf Infineon. Was für Anleger dabei wichtig ist: Solange die Barriere von 10 Euro (rund 33 Prozent Puffer) bis zur Fälligkeit Mitte September niemals verletzt wird, erhält der Trader hier einen Fixbetrag von 17 Euro. Ansonsten entspricht der Rückzahlungsbetrag dem Kurs der Aktie. Bei einem Kaufpreis von rund 16,40 Euro drohen damit im worst-case überproportionale Verluste. Dafür ist auf der anderen Seite in nur gut drei Monaten aber auch ein Gewinn von 3,7 Prozent möglich, selbst wenn die Aktie stagniert oder moderat an Wert verliert. Entscheidend ist tatsächlich nur die Barriere.

Der Trader, der ausschließlich Anlagezertifikate und Hebelprodukte kauft, peilt bei seinen Investments eine Haltedauer von maximal ca. sechs Monaten an. Durch eine geschickte Auswahl der Derivate soll eine „stabile Outperformance gegenüber den Basiswerten und den Indizes bei niedriger Volatilität“ erreicht werden. Aktuell ist das Portfolio zu 80 Prozent mit solchen Papieren gefüllt. Der Großteil sind (meist eher defensive) Capped Bonus-Zertifikate, in geringem Maße setzt er zudem – wahrscheinlich auch als Absicherung - auf Put-Optionsscheine (zum Teil als Discount Put-Variante). 

Was sollten Anleger bei dieser Strategie beachten? Obwohl alleine das Wort „Derivate“ für viele schon hochspekulativ, wenn nicht gar unseriös klingt, zeigt der Trader auf, wie man solche Produkte sinnvoll und sogar relativ risikoarm einsetzen kann. Bei einer Performance von 15 Prozent seit Oktober 2016 wurde der maximale Verlust bislang auf weniger als neun Prozent begrenzt. Die Zielsetzung lautet „jährliche Rendite von mehr als sechs Prozent bei möglichst niedriger Volatilität“.

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Das sind die 10 meistgehandelten Aktien der letzten Woche auf wikifolio.com

# Name ISIN Handelsvolumen Alle Trades Käufe
1 Wirecard DE0007472060         1.919.289,63 €  1279 60%
2 Infineon DE0006231004             959.205,57 €  384 81%
3 Amazon US0231351067             183.406,07 €  366 66%
4 NEL ASA NO0010081235             365.835,64 €  362 83%
5 Apple US0378331005         1.522.068,76 €  347 62%
6 Alphabet US02079K3059             266.567,44 €  333 73%
7 BASF DE000BASF111             966.228,59 €  318 58%
8 Facebook US30303M1027             356.017,80 €  280 65%
9 Bayer DE000BAY0017             433.652,18 €  275 58%
10 Deutsche Bank DE0005140008               72.767,02 €  271 69%